Pressemitteilung -
Wie Operngeschichte geschrieben wurde >>> Dokumentation der Inszenierung des ‹Parsifal› am Goetheanum
Goetheanum, Dornach, Schweiz, 28. Februar 2025
Die Inszenierung von Richard Wagners ‹Parsifal› am Goetheanum unter der Leitung von Jasmin Solfaghari hat mit dem Einsatz der Eurythmie Operngeschichte geschrieben. Darüber hinaus verbindet die Regisseurin Kunst und Wissenschaft. Das Buch zum ‹Parsifal› am Goetheanum gibt vielfältige persönliche und fachliche Einblicke in das komplexe Geschehen dieser Inszenierung. Es ist eine Kooperation von ‹Schott Music› und ‹Pamy Mediaproductions›.
Schon die Rahmenbedingungen waren besonders: Die Proben konnten sieben Wochen lang im originalen Bühnenbild stattfinden. Das ermöglichte eine dichte Zusammenarbeit der Opernregisseurin Jasmin Solfaghari mit den Bereichen Bühnen-/Kostümbild (Walter Schütze), Musik (Roland Fister), Eurythmie (Stefan Hasler) und Lichtdesign (Klaus Suppan).
Für die Regisseurin war eine der Hauptfragen die Integration der Eurythmie: «Werden die Sänger, die ja selbst ihre Geschichte erzählen können, von den Aktionen der Eurythmie überdeckt? Wie schaffen wir es, Aktionen zu erfinden, die mit der Sängerriege harmonieren?» Die Philologin, Musikwissenschaftlerin und Philosophin Lea Zeiger berichtet aus den Proben, dass durchaus «stets leichte Angst vor einer Kollision zwischen Eurythmisten und den Protagonisten bestand». Damit sich Sängerpartien und Chor «uneingeschränkt» auf ihre Rollen konzentrieren konnten, kam die Eurythmie später hinzu. In den Kritiken wurde die Grundidee, Speer, Gral und Schwan eurythmisch darzustellen, gelobt. Für die Eurythmie selbst ist die Einbindung in dramatisches Geschehen vertraut, doch hier war ein Umgang mit den ungewohnten Raumbedingungen zu finden. Stefan Hasler beschreibt die Herausforderung des «prägnant gegliederten und architektonisch wuchtigen Bühnenraums» so: «Oft mussten Eurythmie-Formen extrem reduziert werden, da nur wenig Platz zur Verfügung stand.» Zentral war die Fokussierung auf die «übergeordnete Geste» «im größeren Kontext der Geschichte».
Damit ist das Bühnenbild angesprochen. Walter Schütze griff dafür architektonische Elemente des Goetheanum auf. So wurde der Zuschauerraum einbezogen, dessen «bunte Glasfenster» erst verdunkelt wurden, «wenn alle Zuschauer bereits im Saal sind». Eine weitere Aufgabe bestand darin, den unterschiedlichen Umgang mit Raum und Farbe zu meistern: «Bei der Eurythmie entspricht die Farbigkeit der Räume oftmals jene der Kostüme. In der Oper arbeiten wir lieber mit Kontrasten.» Und: «Bei der Eurythmie etwa verwendet man als Grundfarbe für den Raum oft ein sehr dunkles Blau, das auf den ersten Blick fast grau wirkt, sich aber aus vierzehn Farbschichten zusammensetzt, die dann im unterschiedlich farbigen Licht wieder zutage treten.» Das entspreche, so Walter Schütze weiter, der eigenen Herangehensweise, «wenn ich einen silbergrauen Raum gestalte».
Jasmin Solfaghari sowie Mitwirkende der Bühne und der technischen Gewerke sprechen offen über ihre Herausforderungen. Dazu gehört das Männer- und Frauenbild im ‹Parsifal›. Zudem gibt es Blicke auf Themen wie ‹Anthroposophie und Wagner›, ‹Zur Entstehungsgeschichte der Eurythmie› und die ‹Parsifal›-Inszenierungen am Bayreuther Festspielhaus, Deutschland. Diese Einbettungen verdeutlichen die Arbeitsweise von Jasmin Solfaghari: die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, etwa durch Kooperation mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen, Deutschland.
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Buch Jasmin Solfaghari (Hrsg.): Ich schreite kaum, doch wähn’ ich mich schon weit. Parsifal am Goetheanum, Schott Music 2024, 272 Seiten, Euro 34,50 Euro Web
Ansprechpartner Goetheanum-Bühne François Croissant
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