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Beim Schaukeln mit dem Smartphone Pendelgesetze lernen. ​Robin Schmidt zum positiven Umgang mit dem digitalen Wandel

Pressemitteilung   •   Nov 16, 2018 14:01 CET

Robin Schmidt, Leiter der Forschungsstelle Kulturimpuls am Goetheanum

Goetheanum, Dornach, 16. November 2018

Beim Schaukeln mit dem Smartphone Pendelgesetze lernen
Robin Schmidt zum positiven Umgang mit dem digitalen Wandel

Für Philosoph, Kulturgeschichtler und Erziehungswissenschaftler Robin Schmidt sind Abgrenzungen zur digitalen Wirklichkeit unfruchtbar. Typischerweise führen kulturhistorische Aufbrüche zu Verunsicherung, aber auch zu Neuentwicklungen. Zur Pädagogik gehöre ein Lernen «trotz, über, an und mit» digitalen Technologien.

Es gibt Kleinkinder, die auf einem Buch oder an einer Fensterscheibe ‹wischen›, um sich ein anderes Bild anzeigen zu lassen. Für Robin Schmidt ist dies ein Hinweis auf eine veränderte Lebenswelt: Die Primärerfahrung geht immer weniger von einer urbanen oder natürlichen Umwelt, sondern von digitalen Erfahrungswelten aus. Robin Schmidt ist Leiter der Forschungsstelle Kulturimpuls am Goetheanum und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Nordwestschweiz in einem Forschungsprojekt zu Lehren und Lernen im digitalen Wandel.

Technologie erscheint traditionell als bedrohlich: Gewohntes wird durch etwas Neues ersetzt, die lebendige Kultur wird unterbrochen. Robin Schmidt sieht im digitalen Wandel eine Parallele zur naturwissenschaftlich geprägten Kulturentwicklung Ende des 19. Jahrhunderts. Sie war zuerst von Verlusterlebnissen geprägt: die Natur rückte ferner, etwa der Bezug auf den bäuerlichen Jahreslauf, die soziale Einbindung in die Standes-Gesellschaft löste sich auf, und die Beziehung zu Gott, zur Religion, trat zurück. Damit wurde umgekehrt aber auch erst möglich, das Individuum zum kulturellen und politischen Mittelpunkt zu machen.

Auch heute gilt es eine Kulturperspektive zu finden. Für Robin Schmidt können aus einer Kultur der ‹Gastfreundschaft› Perspektiven für die Pädagogik gewonnen werden. Das heißt zunächst, anzuerkennen, dass sich mit dem digitalen Zugriff auf die Welt auch das Verhältnis zu ihr verändert hat. Wissen um Funktionsweisen der digitalen Welt und Lernen trotz, über, an und mit Informationstechnologien erlauben Schülerinnen und Schülern, ein souveränes Verhältnis in verschiedenen Dimensionen zu gewinnen. Im Physikunterricht muss das nicht unbedingt zu noch mehr Abstraktion führen: Warum nicht Jugendliche beim Schaukeln mit dem Smartphone die Daten (des Beschleunigungssensors) aufzeichnen lassen, um an ihnen die Pendelgesetze zu lernen?

(2215 Zeichen/SJ)

Text Robin Schmidt: Digitaler Wandel als Gesellschaftssituation,
www.paedagogik-goetheanum.ch/fileadmin/paedagogik/Artikel/Robin_Schmidt_Digitaler_Wandel.pdf

Ihre Ansprechpartnerin:
Katharina Stemann, Tel. +41 61 706 43 73, katharina.stemann@goetheanum.ch

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